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Produktionen

  1. Schlag.Fertig
  2. Farbe des Herzens
  3. QI
  4. Der Champagner Spion
  5. Blutiger Sonntag
  6. Unter kaiserlicher Flagge
  7. Der Flamenco Clan
  8. Facing the Dead
  9. Massaker
  10. Through Hell and High Water
  11. Von Werra
  12. Moro No Brasil
  13. Mein Vater, seine Familie und ich
  14. Der weisse Wal
  15. Jenseits von Tibet
  16. The Big Pink
  17. The Final Kick
 
 

DER WEISSE WAL
Eine Produktion von LICHTBLICK Film

In Koproduktion mit
Metropolitan Pictures, Les Films de L´Observatoire, ZDF / Arte, Humanistische Omroep und Discovery Channel

In Zusammenarbeit mit
Filmstiftung NRW, Filmbüro NW, Nederlands Fonds voor de Film, Communauté urbaine de Strasbourg, Cobo Fonds, Eurimages, Media II

2002

Erzähler
Joachim Król

 

TEAM

Buch:

Regie:
Produzenten:

Redaktion:
Produktionsleitung:
Kamera:
Ton:
Montage:

Musik:

Carl-Ludwig Rettinger
Volker Anding
Stephan Koester
Joachim Ortmanns
George Weiss
ZDF Claus Josten
Jörg Kobel
Ralf M. Mendle
Jan Wouter Stam
Rike Anders
Rainer Brüninghaus


Weltvertrieb: Illumina Films
DVD-Vertrieb: Absolut Medien
Festivals: Rotterdam, Locarno, Input, Planet in Focus
Länge: 72’ / 52’

SYNOPSIS
Die Geschichte des Weissen Wals könnte der Phantasie von Disney-Autoren entsprungen sein. Allein, sie ist wahr: Am 18. Mai 1966 taucht bei Duisburg-Neuenkamp, 300 Kilometer vom Meer entfernt, ein mächtiges Tier aus den schmutzigen Fluten des Rheins auf, um Luft zu holen: Der Weisse Wal. Einen Monat lang wird der fremde Besucher die Menschen und die Medien bewegen, Konflikte zwischen Tierschützern und Zoologen entfachen, zwischen Deutschen und Niederländern, zwischen den politischen Fraktionen. Derweil schwimmt der Weisse Wal immer tiefer ins Landesinnere.

Belugas leben in den arktischen Gewässern Kanadas und Russlands. Das Auftauchen eines Weisswals so weit südlich und dann noch so weit stromaufwärts ist eine zoologische Sensation ersten Ranges. Dr. Gewalt, damaliger Direktor des Duisburger Zoos will sich die einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Wal für sein neu eröffnetes Delfinarium einzufangen. Mit zusammengeknüpften Tennisnetzen beginnt er seine Jagd, aber es gelingt nicht, das gewitzte Tier damit zu fangen. Ein amerikanischer Delphin-Trainer wird hinzugezogen, der eine indianische Methode mit einer Falle aus Stricken und Zaunpfählen einsetzt – ohne Erfolg. Der nordrhein-westfälische Meister im Bogenschießen heftet eine Markierungsboje an die Finne; mit einer Narkosepistole wird der Wal betäubt und ertrinkt beinahe. Doch unbeirrt schwimmt er weiter rheinaufwärts. Die Rheinländer taufen ihn respektvoll ‘Moby Dick’.

Gegner der Jagd formieren sich. Tierschützer erstatten Anzeige. Die holländische Wasserschutzpolizei verbietet jegliche Jagdaktivität, sollte der Wal die Grenze überqueren. Dr. Dudok van Heel, Direktor des Delfinariums in Harderwijk, wettert gegen die "schändliche Hetzjagd" und die "barbarischen Jagdmethoden in Deutschland". Die Volksseele begehrt auf und ergreift Partei für die geschundene Kreatur. In hellen Scharen pilgern die Menschen ans Rheinufer, um den Botschafter aus der Arktis zu bestaunen.
Der Wal taucht in Büderich im Ausflugslokal "Wacht am Rhein" bei einer Hochzeitsgesellschaft auf, und die Braut winkt mit Tränen in den Augen im weißen Brautkleid dem Wal zu. Die Meldungen über sein Auftauchen ähneln zeitweise den Lageberichten militärischer Operationen. Ein Heer von Reportern verfolgt den Wal mit Hubschraubern, Motorbooten und einem Zeppelin.

Das Jahr 1966 markiert den Höhe- und Wendepunkt des deutschen Wirtschaftswunders. In ganz Europa rauchen die Industrieschlote wie nie zuvor. Ungeklärte Abwässer aus fünf Anrainer-Staaten haben den Rhein - wie viele andere Gewässer - in eine stinkende Kloake verwandelt. Das Wort ‘Umweltschutz’ ist noch nicht geboren. Eine immer größere Öffentlichkeit fragt sich zum ersten Mal, ob es im Rhein überhaupt noch Nahrung gibt und wann der Wal sich an den Fischen vergiften würde. Abertausende von Kindern und Jugendlichen reisen aus der Industriewüste des Ruhrgebietes und z.T. aus ganz Deutschland an den Rhein, um mit großen Augen dieses Naturwunder in der gänzlich zugebauten Flussruine zu bewundern (nicht wenige von ihnen sollten später zu Naturschutz-Aktivisten werden).

Auf seiner über einen Monat währenden Reise kämpft sich der Wal von Rotterdam gegen die Rheinströmung über Nijmwegen, Duisburg, Düsseldorf, Köln bis schließlich nach Bonn durch. Was sucht nun der einsame Beluga ausgerechnet in diesem verseuchten Fluss? Weshalb schwimmt er über 400 km stromaufwärts - taucht vor dem Bundespressehaus auf und sprengt eine Pressekonferenz des Regierungssprechers – bevor er umkehrt? Nach zweitägigem Aufenthalt in der Hauptstadt dreht ‘Moby Dick’ endgültig ab. Schon drei Tage später am 18. Juni 1966 meldet die Schiffahrts-Agentur Dirkzwager, dass ‘Moby Dick’ um 18.42 Uhr bei Hoek van Holland die offene See wieder erreicht hat.

Kein anderes Ereignis als die Walfahrt des einsamen Belugas hätte einen schnelleren Bewusstseinswandel des breiten Publikums herstellen können. Tatsächlich sollten die Deutschen in wenigen Jahren zu Vorreitern des internationalen Umweltschutzes werden. Und tatsächlich war jener weiße Wal nicht nur Vorbote, sondern ein entscheidender Auslöser dieser Entwicklung.

Die Reise des weissen Wals liegt über 30 Jahre zurück und bewegt bis heute die Gemüter derjenigen, die sie miterlebt haben. Erst heute läßt sich erahnen, was der Besuch des Wals wirklich bedeutete, wie und weshalb der Wal sein angestammtes Umfeld verlassen hat, um ins Herz Europas vorzustossen.
Erst aus dem Abstand heraus läßt sich diese Geschichte erzählen:

Als dokumentarisches Roadmovie und Collage von Archivmaterialien, Wochenschauen, deutschen und holländischen Fernsehausschnitten, Privatfilmen, neugedrehten Aufnahmen vor der Küste Kanadas und Gesprächen mit Zeitzeugen, wird die z.T. dramatische Geschichte des Weissen Wals erzählt und nicht ohne Augenzwinkern in eine Zeit zurückgeblickt, die schon fast vergessen scheint: Ein Wiedersehen mit Raumschiff Orion, mit Roy Black und Königin Beatrix "Ganz in Weiss". 1966, das Jahr vor einem großen sozialen, politischen und kulturellen Umbruch.