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| DER
WEISSE WAL 2002 |
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Buch: |
Carl-Ludwig Rettinger Volker Anding Stephan Koester Joachim Ortmanns George Weiss ZDF Claus Josten Jörg Kobel Ralf M. Mendle Jan Wouter Stam Rike Anders Rainer Brüninghaus |
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Belugas leben in den arktischen Gewässern Kanadas und Russlands. Das Auftauchen eines Weisswals so weit südlich und dann noch so weit stromaufwärts ist eine zoologische Sensation ersten Ranges. Dr. Gewalt, damaliger Direktor des Duisburger Zoos will sich die einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Wal für sein neu eröffnetes Delfinarium einzufangen. Mit zusammengeknüpften Tennisnetzen beginnt er seine Jagd, aber es gelingt nicht, das gewitzte Tier damit zu fangen. Ein amerikanischer Delphin-Trainer wird hinzugezogen, der eine indianische Methode mit einer Falle aus Stricken und Zaunpfählen einsetzt – ohne Erfolg. Der nordrhein-westfälische Meister im Bogenschießen heftet eine Markierungsboje an die Finne; mit einer Narkosepistole wird der Wal betäubt und ertrinkt beinahe. Doch unbeirrt schwimmt er weiter rheinaufwärts. Die Rheinländer taufen ihn respektvoll ‘Moby Dick’. Gegner der Jagd formieren sich. Tierschützer
erstatten Anzeige. Die holländische Wasserschutzpolizei verbietet
jegliche Jagdaktivität, sollte der Wal die Grenze überqueren.
Dr. Dudok van Heel, Direktor des Delfinariums in Harderwijk, wettert gegen
die "schändliche Hetzjagd" und die "barbarischen Jagdmethoden
in Deutschland". Die Volksseele begehrt auf und ergreift Partei für
die geschundene Kreatur. In hellen Scharen pilgern die Menschen ans Rheinufer,
um den Botschafter aus der Arktis zu bestaunen. Das Jahr 1966 markiert den Höhe- und Wendepunkt des deutschen Wirtschaftswunders. In ganz Europa rauchen die Industrieschlote wie nie zuvor. Ungeklärte Abwässer aus fünf Anrainer-Staaten haben den Rhein - wie viele andere Gewässer - in eine stinkende Kloake verwandelt. Das Wort ‘Umweltschutz’ ist noch nicht geboren. Eine immer größere Öffentlichkeit fragt sich zum ersten Mal, ob es im Rhein überhaupt noch Nahrung gibt und wann der Wal sich an den Fischen vergiften würde. Abertausende von Kindern und Jugendlichen reisen aus der Industriewüste des Ruhrgebietes und z.T. aus ganz Deutschland an den Rhein, um mit großen Augen dieses Naturwunder in der gänzlich zugebauten Flussruine zu bewundern (nicht wenige von ihnen sollten später zu Naturschutz-Aktivisten werden). Auf seiner über einen Monat währenden Reise
kämpft sich der Wal von Rotterdam gegen die Rheinströmung über
Nijmwegen, Duisburg, Düsseldorf, Köln bis schließlich
nach Bonn durch. Was sucht nun der einsame Beluga ausgerechnet in diesem
verseuchten Fluss? Weshalb schwimmt er über 400 km stromaufwärts
- taucht vor dem Bundespressehaus auf und sprengt eine Pressekonferenz
des Regierungssprechers – bevor er umkehrt? Nach zweitägigem
Aufenthalt in der Hauptstadt dreht ‘Moby Dick’ endgültig
ab. Schon drei Tage später am 18. Juni 1966 meldet die Schiffahrts-Agentur
Dirkzwager, dass ‘Moby Dick’ um 18.42 Uhr bei Hoek van Holland
die offene See wieder erreicht hat. Kein anderes Ereignis als die Walfahrt des einsamen Belugas hätte einen schnelleren Bewusstseinswandel des breiten Publikums herstellen können. Tatsächlich sollten die Deutschen in wenigen Jahren zu Vorreitern des internationalen Umweltschutzes werden. Und tatsächlich war jener weiße Wal nicht nur Vorbote, sondern ein entscheidender Auslöser dieser Entwicklung. Die Reise des weissen Wals liegt über 30 Jahre
zurück und bewegt bis heute die Gemüter derjenigen, die sie
miterlebt haben. Erst heute läßt sich erahnen, was der Besuch
des Wals wirklich bedeutete, wie und weshalb der Wal sein angestammtes
Umfeld verlassen hat, um ins Herz Europas vorzustossen. Als dokumentarisches Roadmovie und Collage von Archivmaterialien,
Wochenschauen, deutschen und holländischen Fernsehausschnitten, Privatfilmen,
neugedrehten Aufnahmen vor der Küste Kanadas und Gesprächen
mit Zeitzeugen, wird die z.T. dramatische Geschichte des Weissen Wals
erzählt und nicht ohne Augenzwinkern in eine Zeit zurückgeblickt,
die schon fast vergessen scheint: Ein Wiedersehen mit Raumschiff Orion,
mit Roy Black und Königin Beatrix "Ganz in Weiss". 1966,
das Jahr vor einem großen sozialen, politischen und kulturellen
Umbruch. |
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